68 unkreatives loslegen

Texttheorie und Textgestaltung – Bergbau/Rohstoffe

… darunter läuft der zitatherkunftsort im so genannten netzwerk.

von dort her ge-copy-and-pasted:

[Unkreatives Schreiben] [Netzkultur] [Prokrastination] [Seminarkonzept]

Der Schriftsteller und Künstler Thomas Kapielski hat einst an der Braunschweiger Hochschule der Künste Seminare angeboten, die „Rumhängen 1“, „Rumhängen 2“ usw. hießen. Gemacht wurde in den Seminaren vor allem eins: Man hing rum.
An der University of Pennsylvania kann man in diesem Semester einen Kurs besuchen, der den Titel „Wasting time on the internet“ trägt. In jeder Sitzung sollen die Studierenden dann einfach das tun, was sie zu Hause sowieso machen: chatten, Youtube-Videos ansehen, Memes verschicken, twittern.

Das Seminar ausgedacht hat sich Kenneth Goldsmith. Er ist Literatur-Professor. Er ist aber auch Avantgarde-Autor, der Meilensteine der Cut-Copy-Paste-Literatur verfasst hat. Ein Werk heißt „Traffic“. Es besteht aus transkribierten Verkehrsnachrichten, die innerhalb von 24 Stunden über das Radio gemeldet worden sind. Goldsmith hat für ein größere Arbeit auch eine Ausgabe der New York Times abgeschrieben. Außerdem hat er 2013 alles ausdrucken lassen, was sich aus dem Internet ausdrucken lässt. Dafür mietete er eine riesige Galerie in Mexiko-Stadt, in der das bedruckte Papier gestapelt wurde. Über 10 Tonnen kamen dabei zusammen. Wer wissen will, warum er das macht, liest am besten das von ihm verfasste Standardwerk dazu: Das Handbuch zum „Uncreative Writing“.

Dass Goldsmith darauf kommt, ein Seminar zu machen, in dem man genau das macht, was man sonst auch macht, liegt da natürlich ganz auf der Linie. Interessant ist der Kurs, weil er durch die universitäre Rahmung das, was sonst so gern als Prokrastination bezeichnet wird, als eine kulturelle Praxis sichtbar macht, die alte Vorstellungen von Lehren und Lernen irritieren oder sogar neu definieren kann. „Wasting time on the Internet“ erscheint plötzlich als eine besondere Form der Beobachtung von Gegenwart. Und erst recht als eine besondere Form, diese Gegenwart durch eigene Eingriffe weiterzuschreiben.

Für den GWK-Kontext ist so etwas besonders inspirierend. Seminare dieser Art sind Anlass, weiter darüber nachzudenken, wie sich Kompetenzen, die sich im Alltag entwickeln, mit Lust und Faszination ausprobiert, untersucht und erforscht werden können, statt als uninteressant und nicht der Rede wert aus dem universitären Kontext ausgeschlossen zu werden.

‚Wasting Time on the Internet‘ Is Now an Actual College Class

und hier in wirklichkeit:

Prof. Dr. Stephan Porombka
Karl Wolfgang Flender
TEXTTHEORIE UND TEXTGESTALTUNG
Universität der Künste Berlin
Mierendorffstr. 28-30
10589 Berlin

http://gwk.udk-berlin.de/personen/porombka/
http://gwk.udk-berlin.de/personen/flender/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s