38_1 fatih akin_müll im garten eden

„müll im garten eden“ in cannes

musik von alexander hacke

interview www.focus.de

Hat der Dreh über so lange Zeit Ihre Beziehung zur Türkei verändert, intensiviert?

Akin: „Auf alle Fälle. Es ist ja doch etwas anderes als Istanbul, das ich in meiner Arbeit mit Filmen wie ‚Crossing the Bridge‘ ziemlich abgefrühstückt habe. Viele im Westen – auch ich – haben immer dieses Klischee im Kopf: ‚Istanbul ist nicht die Türkei, das Hinterland ist viel zurückgebliebener und weniger entwickelt, es ist weniger demokratisch und weniger modern.‘ Aber dann habe ich sechs Jahre lang mit und im Endeffekt in einem Dorf verbracht, und ich kann diese ganzen Klischees überhaupt nicht bestätigen. Ich habe philosophische, starke, reife und kreative Menschen kennengelernt, die ihren Widerstand organisieren. Das war mir neu. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir der Film die Möglichkeit gegeben hat, die Türkei als Ganzes zu begreifen. Jetzt verstehe ich, dass es nicht unbedingt ein negatives Gefälle zwischen Istanbul und der Provinz Trabzon geben muss. Ich würde es auch nicht mehr als Gefälle bezeichnen.